Interdisziplinäres Projekt "Schrift und Herrschaft"

 

Projektskizze

Ines Soldwisch/Rpdiger Haude/Klaus Freitag (Hg.), Schrift und Herrschaft Urheberrecht: © Transcript-Verlag, Bielefeld Die Ergebnisse des Projektes erscheinen im kommenden Jahr

Schrift und Schriftlichkeit in ihrer facettenreichen und multifunktionalen Verwendung – so lässt sich ein von Prof. Dr. Klaus Freitag und PD Dr. Rüdiger Haude begründetes Forschungsprojekt zusammenfassen. Das Projekt fügt sich dabei in den bereits seit längerem bestehenden Aachener Schwerpunkt der „Wissenskulturen“ und der damit verbundenen Frage nach der wissensgestützten Aneignung der Welt in verschiedenen Zeiten und Gesellschaften ein. Der Begriff der Wissenskultur ist dabei untrennbar mit der Kulturpraxis des Schreibens verbunden, mit der Wissen kodifiziert und transferiert werden kann. Daraus ergeben sich epochenübergreifende Fragestellungen, beispielsweise nach dem Stellenwert von Schriftlichkeit in verschiedenen historischen Gemeinwesen und dem Zugang zu dieser Kulturtechnik. Zudem lässt sich am Beispiel schriftlicher Überlieferungen immer trefflich über die Frage diskutieren, wer mit welcher Aussageabsicht schreibt und von wem dies wiederum gelesen wird. Der Zusammenhang zwischen Schrift und Herrschaft scheint geradezu zwingend. So basieren politische Systeme meistens auf kodifizierten Gesetzen und Normen, die das Zusammenleben bestimmen. Gleichsam dient die Schrift aber auch der Legitimation und Bestätigung bestehender hierarchischer Verhältnisse. Doch kann auch das Medium der Schrift instrumentalisiert werden, um bestehende Herrschaftsverhältnisse zu kritisieren und zu bestreiten. Ein besonderes Augenmerk gilt dabei auch der Funktion der Literarität in „herrschaftsfreien Räumen“, in denen das Medium folglich in „Diskurse von unten“ eingebettet ist.

Diesen und weiteren Fragestellungen widmete sich im Februar 2020 eine Tagung unter dem Titel „Schrift ohne Herrschaft“, die sowohl interdisziplinär als auch interepochal angelegt war. Aus einer diachronen Perspektive konnten Aspekte des klassischen Griechenlands, der Spätantike und der Völkerwanderungszeit, des Hochmittelalters, der frühen Neuzeit und der Zeitgeschichte beleuchtet werden. Perspektiven und Methoden aus der Soziologie, Ethnologie und Literaturwissenschaft erweiterten den thematischen Zugriff.

Zum Tagungsbericht bei h-soz-kult: https://www.hsozkult.de/conferencereport/id/tagungsberichte-8718

Die vielfältigen Zugriffe der Vorträge bilden die Grundlage für einen Sammelband, der voraussichtlich im April 2022 unter dem Titel „Schrift und Herrschaft. Facetten einer komplizierten Beziehung“ im Bielefelder Transcript-Verlag erscheinen wird. Als Herausgeber:innen zeichnen sich Klaus Freitag, Rüdiger Haude und Ines Soldwisch verantwortlich. Weitere Beiträge stammen aus der Feder von Giuseppe Cusa, Hendrik Hess, Thomas Kirchner und Christoph London.

Zur Ankündigung auf den Seiten des Transcript-Verlags: https://www.transcript-verlag.de/978-3-8376-5626-8/schrift-und-herrschaft/?c=311000254