Flüsse und Flusslandschaften im antiken Griechenland

 

Projektskizze

Der Peneios in Thessalien Urheberrecht: © de Tempe, Roman Klementschitz, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1283012 Der Peneios ist der Hauptfluss in der griechischen Landschaft Thessalien, der auch durch das enge Tempe-Tal fliesst, das für seine landschaftliche Schönheit bekannt ist.

„Am besten aber ist Wasser“, so beginnt Pindar im 5. Jh. v. Chr. seine 1. Olympische Ode auf Hieron von Syrakus, den Tyrannen auf Sizilien. Pindar betont die überragende Bedeutung des Elements Wasser. In den griechischen Poleis war die Beschreibung von Flussläufen (Hydrographie) ein wichtiges Prinzip, das den Raum gliederte und strukturierte. Seit Homer werden in der Dichtung Orte und Landschaften häufig durch Flüsse charakterisiert. Flüsse wurden herangezogen, um Handlungen oder Charaktereigenschaften von Persönlichkeiten poetisch auszuformulieren. In der antiken Geographie, Ethnologie und Geschichtsschreibung erhält das Thema der Raumordnung durch Flussverläufe fundamentale Bedeutung. Flüsse dienten als geläufige antike landmarks für ein literarisch geformtes Raumbild. Daneben soll in dem Projekt die Frage im Zentrum stehen, wie in der griechischen Antike konkret mit Flusslandschaften umgegangen wurde. Dabei stehen Diskussionen über Quellen, Flussverläufe, Nebenflüsse und Mündungsgebiete im Vordergrund. Es stellt sich auch Frage nach Eingriffen in Flusssysteme und Veränderungen von Flussläufen, die durch natürliche Wirkkräfte oder durch menschliche Interventionen hervorgerufen worden sind. Welche wirtschaftliche Bedeutung kommt Flüssen im Wassermanagement der griechischen Poleis zu, vor allem durch die Anlage und Unterhaltung von Bewässerungssystemen? Wie greifen die antiken Griechen mit technischen Hilfsmitteln und wasserbautechnischen Anlagen wie Dämmen und Kanälen in die Flusslandschaften ein? Wie wurden durch Brücken und Flusshafenanlagen u. a. die infrastrukturelle Einbindung in den Polisraum hergestellt? Wie wurden Flüsse genutzt, um die Polisbevölkerung mit frischem und gesundem Trinkwasser zu versorgen? Wie beeinträchtigten Wasserverschmutzung und Abwasserprobleme die Wasserqualität der Flüsse in den griechischen Poleis? Es stellt sich schließlich auch die Frage, ob und ggf. wie mit Uferschutz gegen Überflutungen und Hochwasser angekämpft wurde.

Im Rahmen des Forschungsprojektes werden zwei Aufsätze bearbeitet: Ein Aufsatz zum allgemeinen Thema „Flüsse und Flusslandschaften im antiken Griechenland“ erscheint in Ehling, Kay / Kerschbaum, Saskia (Hrsg.), „Göttliche Größe und gezähmte Gewalt. Vom babylonischen Euphrat bis zum römischen Rhein“ bei der wbg und Philipp von Zabern 2022. Ein zweiter Aufsatz zum Thema „Hochwassergefahr und Überschwemmungen durch Flüsse im antiken Griechenland“ ist in Vorbereitung.