Dissertationsprojekt "Den Kaiser erziehen" (Christoph London)

 

"Den Kaiser erziehen. Bildungspraktiken und Bildungskonzepte zur Zeit der Kinderkaiser der Valentinianisch-Theodosianischen Dynastie" (Arbeitstitel)

Mit Blick auf die historiographische und panegyrische Literatur des 4. Jahrhunderts lässt sich eine auffällige Zunahme von Notizen und Wertungen über das individuelle Bildungsniveau der Kaiser verzeichnen. Das Dissertationsprojekt geht der Frage nach, inwiefern sich dieser Umstand durch die Präsenz der Kinderkaiser der Valentinianisch-Theodosianischen Dynastie deuten und erklären lässt. Immerhin erlangten Bildungspraktiken und damit verbundene Konzepte durch die Tatsache, dass Kaiser wie Gratian oder Arcadius aufgrund ihres jungen Alters noch erzogen und auf die traditionellen Aufgaben eines Augustus vorbereitet werden mussten, eine größere Aufmerksamkeit und literarischen Widerhall. Durch die Häufung der Erhebungen von Kinderkaisern im späten vierten und fünften Jahrhundert lassen sich diese Entwicklungen und die damit verbundenen Wissensdiskurse auch in einem diachronen Rahmen nachvollziehen und miteinander kontrastieren. Schließlich nahm gerade in dieser Zeitspanne der Einfluss des Christentums immer weiter zu, während den antiken Bildungskonzepten von der Forschung zumeist ein statischer Charakter attestiert wurde. Zugleich wird untersucht, ob der kaiserlichen παιδεία in Ermangelung anderer Kompetenzen der jungen Augusti auf den traditionellen Handlungs- und Repräsentationsfeldern auch eine legitimatorische Funktion zugesprochen werden kann und in welche Repräsentationsrahmen diese eingebettet wurde.